Über 280 Millionen Treffer auf Google: Working Out Loud ist mehr als ein Hype

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So mancher Lebens- und Erfolgsratgeber rät uns dazu, lauter, bewusster und extrovertierter zu leben. Mit dem Working Out Loud (WOL) scheint der Trend zum Lärm nun auch in der Arbeitswelt angekommen zu sein. Dabei geht es aber nicht darum, dass Sie zwischen Büro, Teeküche und Meetingraum möglichst viel Radau machen, um andere davon zu überzeugen, wie hart Sie arbeiten.

Nein, bei dem Konzept handelt es sich um einen neuen Ansatz zur Entwicklung einer Mentalität zur besseren Zusammenarbeit. Wie groß der Hype um das "WOL-Konzept" ist, belegt ein Blick auf die Ergebnislisten der
Google-Suche. Der Dienst liefert immerhin 289.000.000 Treffer, und das nicht nur in Englisch und Deutsch, sondern auch in Mandarin. Der Hype ist also global. Was aber steckt wirklich dahinter?

 

Was ist Working Out Loud überhaupt?

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Idee von John Bryce Williams, der die Grundidee des Konzepts in einem Blogpost im Jahr 2010 kurz als Kombination aus "Observable Work" und "Narrating Your Work" bezeichnete. Im Kern geht es beim Working Out Loud-Konzept darum, dass Sie sich selbst bei der Arbeit nicht isolieren, sondern auch andere an ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen. Die Umsetzung ist ein elementarer Wandel der Arbeitskultur. 

Bryce Williams beschreibt hiermit nämlich nichts anderes, als den Übergang vom Wissenssammler zum Wissensteiler in Branchen, in denen Knowledge-Management, Innovationskraft und Kreativität die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt ist es nach Bryce Williams elementar, Wissen zu teilen und anderen zu helfen, anstatt eigenes Wissen verbissen zu hüten wie Gollum den Ring der Macht in Herr der Ringe. Auf der Mentalität der Zusammenarbeit fußt die auf dieser Basis von John Stepper entwickelte Selbstlernmethode "Working Out Loud"

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Im Kern geht es beim Working Out Loud-Konzept darum, dass Sie sich selbst bei der Arbeit nicht isolieren, sondern auch andere an ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen.
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Was bewirkt die Work Out Loud-Methode?

Die von John Stepper entwickelte „WOL-Methode“ wurde durch dessen gleichnamiges Buch zum wahren Hype in der Unternehmenswelt. Kaum ein großes Unternehmen, in dem sich die Management-Ebene nicht mit dem Thema befasst. Allem voran stehen deutsche Traditionsunternehmen wie Daimler, Siemens, BMW, Audi, BOSCH und Continental, die u. a. Teil der deutschen „Working Out Loud Community of Practice“ (WOLCoP) sind. 

Hinter dem Konzept steckt Steppers Gedanke, dass Ziele in einem funktionierenden Netzwerk deutlich leichter zu erreichen sind, als wenn Mitarbeiter bzw. Unternehmer allein über ihren Aufgaben brüten. Im Kern geht es darum, mit spezifischen Werkzeugen und Arbeitstechniken Beziehungen aufzubauen und zu vertiefen, um sich gegenseitig zu helfen und damit freigiebiger, offener, vernetzter und erfolgreicher zu arbeiten. 

Freiwillig geteilte Arbeitsergebnisse von anderen sollen so dabei helfen, selbst kreative Problemlösungsansätze zu finden. Die eigenen Ansätze wiederum bilden bei der Work Out Loud-Methode die Grundlage für die Problemlösung anderer Mitarbeiter bzw. Unternehmer. 

Das funktioniert sowohl in kleinen Netzwerken aus Selbstständigen als auch in großen Unternehmen als übergeordnete Arbeitskultur. So behalten Fachabteilungen ihre Wissensschätze nicht mehr für sich und blockieren damit im schlimmsten Fall nicht mehr die Innovationen anderer Fachabteilungen. Da bekommt Sharing-Economy doch gleich eine ganz andere Bedeutung. 

Hat die Methode auf Nachteile?

WOL ermöglicht den Mitarbeitern zwar informal eine andere Zusammenarbeit, an der Gesamtstruktur einer Organisation ändert das aber gar nichts. Wird das Konzept nicht konsequent umgesetzt, überschreiten die Wissensschätze trotzdem keine Abteilungsgrenzen. Für den bestmöglichen Erfolg braucht es also eine Synchronisierung der Gesamtorganisation. Gleichzeitig verführt dieser Schritt aber dazu, die Methode als Feigenblatt für schlechtes Management zu nutzen und so von strukturellen Schwächen abzulenken. Bei der Umsetzung muss also stets die Balance zwischen einer funktionierenden Formalstruktur und der Agilität der Arbeit im Working Out Loud Circle gegeben sein.

Die 5 Säulen des Working Out Loud Circle - Knowledge-Sharing im Wissensreigen

1. Aufbau von Beziehungen und Netzwerken

Beziehungsaufbau nach dem Working Out Loud-Konzept ist mehr als das lose Knüpfen oberflächlicher Kontakte in sozialen Netzwerken. Es geht darum, zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens ein echtes soziales Netz aufzubauen, das von jedem Mitglied aktiv durch Erfahrungen, Kompetenz und Wissen erweitert wird. Durch regelmäßigen Austausch der Mitglieder untereinander steht das "Schwarmwissen" allen zur Verfügung und erweitert sich dynamisch. So sieht wahre Agilität im Unternehmensumfeld aus.

2. Großzügigkeit an den Tag legen

WOL-Netzwerke bestehen aus einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Vor allem das Geben steht im Fokus der Methode. Sei es die aktive Präsentation von Wissen, die Ergänzung von Beiträgen, konstruktives Feedback oder bloß das Zeigen von Interesse an der Arbeit anderer. Nur so funktioniert das Netzwerk.

3. Sichtbarkeit der eigenen Arbeit

Die aktive Unterstützung ist nur dann möglich, wenn alle Mitglieder des Netzwerks ihre Arbeit mit all ihren Vorhaben, Mühen, Problemen und Zielen auch öffentlich vorstellen. Es geht nicht um eine Selbstdarstellung nach alter Marketingschule, sondern um die Generierung von Anknüpfungspunkten für Feedback, Verbesserungen und neue Ideen. 

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4. Zielgerichtetes Denken

Zielgerichtetes Denken besteht bei der WOL-Methode nicht aus dem sturen verfolgen eines Plans. Es geht vielmehr darum, dass Sie ein grobes Ziel vor Augen haben und sich den Weg zum Endbahnhof offenhalten. Immerhin bietet Ihnen der kreative Austausch auf dem Weg zum Ziel etliche Optionen, mit denen Sie Ihr Ziel strukturiert und kreativ erreichen.

5. Wachstumsorientiertes Denken

Denken Sie nicht nur zielstrebig, sondern auch in Potentialen. Bauen Sie während Ihrer eigenen Arbeit und dem dynamischen Austausch stets neue Perspektiven auf und loten Sie regelmäßig die sich neu ergebenden Entwicklungschancen aus. Am Ende des Prozesses werden Sie erstaunt sein, wie viel wirklich möglich ist, was vorher noch undenkbar war.


So läuft ein Working Out Loud Circle in der Praxis ab

Für die praktische Umsetzung des Konzepts hat sich der Working Out Loud Circle etabliert. Dabei handelt es sich um eine Gruppe aus vier bis fünf Personen, die sich einmal pro Woche zu selbstorganisierten Terminen trifft. Ein solcher Circle dauert zwölf Wochen, wobei jede Woche ein anderes Thema mit eigenen Übungen auf der Agenda steht, mit deren Hilfe jeder Beteiligte die Entwicklung vom Wissenssammler hin zum dynamischen und freigiebigen Wissensteiler erreicht. Ob die Treffen dabei persönlich oder rein virtuell stattfinden, obliegt Ihrer Entscheidung. John Stepper sieht zur Umsetzung die folgenden 12 Schritte vor:

Woche 1: Definieren Sie Ihr persönliches Ziel und stellen Sie Ihre persönliche Kontaktliste an Personen zusammen, die Ihnen beim Erreichen dieser Ziele helfen können.

Woche 2: Vertiefen Sie Ihre Beziehungen und vernetzen Sie sich. Das gilt sowohl innerhalb des Zirkels, vor allem aber im Hinblick auf die Kontaktpflege im Hinblick auf Ihre Zielerreichung. Netzwerken Sie in sozialen Netzwerken, verfassen Sie Beiträge in Foren, teilen Sie Ihre Erfahrungen und liefern Sie anderen Teilnehmern Impulse.

Woche 3: Arbeiten Sie an Ihren Kontakt-, Zeitmanagement- und Kompetenzlisten.

Woche 4: Überprüfen und optimieren Sie Ihre eigene Online-Präsenz. Nur wer sichtbar ist, kann wahrgenommen werden.

Woche 5: Verstärken Sie Ihre Aktivität beim Netzwerken und beim Verfassen von hilfreichen Beiträgen.

Woche 6: Erweitern Sie gezielt Ihren Einflussbereich.

Woche 7: Machen Sie sich die bisher eingesetzten Techniken und Erkenntnisse zur Gewohnheit.

Woche 8: Üben Sie Empathie und Engagement, indem Sie in der Gruppe und in Ihren privaten "Zielerreichungsnetzwerken" freigiebig helfen, auf Menschen zugehen und sich ohne Gegenleistung für andere Projekte engagieren. Diese Investition bekommen Sie später vielfach vergolten, auch wenn es den betreffenden Personen nicht bewusst ist - alte Regel aus der Psychologie.

Woche 9: Lernen Sie, originellere Beiträge zu erstellen.

Woche 10: Werden Sie systematischer in dem, was Sie bereits gelernt haben.

Woche 11: Aktivieren Sie Ihr wachstumsorientiertes Denken.

Woche 12: Reflektieren Sie über die vergangenen 12 Wochen und feiern Sie Ihre Entwicklungserfolge.


Fazit - Probieren geht über Studieren

Das WOL-Konzept ist für jedes Büro in der Arbeitswelt eine spannende Angelegenheit. Allerdings ist das Konzept auch keine universelle Wunderwaffe. Dennoch lohnt es sich, den 12-wöchigen Working Out Loud Circle einmal in der Praxis umzusetzen, um auch das eigene Denken vom Mindset des Wissenshüters hin zum Wissensteiler umzuschulen. Selbst wenn eine starre Organisationen die vollständige Umsetzung nicht zulässt, so profitieren Abteilungen, Teams und Individuen im Angesicht der aktuellen Herausforderungen in der Arbeitswelt enorm.