Wenn die Verwaltung von Client-Hardware die interne IT-Abteilung lähmt, rückt Device as a Service (DaaS) in den Fokus. Die Schmerzpunkte in mittelständischen Unternehmen sind meist identisch: fragmentierte Beschaffungsprozesse, lückenhafte Asset-Datenbanken, ungelöste Rückhollogistik im Homeoffice und der manuelle Aufwand für zertifizierte Datenlöschung.
DaaS verspricht, die Kette aus Beschaffung, Deployment, Betrieb, Support und Aussteuerung zu vereinfachen. Doch der Markt der DaaS-Anbieter ist heterogen. Die Anbieter unterscheiden sich wesentlich bei Themen wie technologischer Integration oder operativer Fokus. Wir vergleichen 5 deutsche Device as a Service-Anbieter auf ihre Eignung für IT-Infrastrukturen im Mittelstand.
Top-Anbieter von Device as a Service im Überblick
Für unseren Vergleich betrachten wir 5 der bekanntesten Anbieter von Device as a Service-Lösungen im deutschsprachigen Raum. Dabei beleuchten wir den Geschäftsfokus des jeweiligen Anbieters und erstellen ein Stärken-/Schwächen-Profil.
Deutsche DaaS-Anbieter im Vergleich
| Kriterium | Lendis | Everphone | TKD Solutions | Grover Business | CHG Meridian |
|---|---|---|---|---|---|
| Technischer Schwerpunkt | Software-driven DaaS mit LendisOS | Mobile Device Lifecycle für Smartphones & Tablets | Mobile Assets plus Mobilfunkverträge | Flexible Hardware-Miete | IT-Leasing und Asset-Lifecycle für komplexe Infrastrukturen |
| Kundensegment | KMU und Mittelstand, ca. 50–500 Mitarbeitende | Enterprise-Flotten ab ca. 1.000 Nutzern | Mittelstand mit Telco-Fokus und >250 Mitarbeitern | Startups, Freelancer, kleine Teams bereits ab 1 Mitarbeiter | Größere Mittelständler und Konzerne ab 1.000 Mitarbeitern |
| Größter IT-Hebel | Automatisiertes Asset-Lifecycle-Management | CYOD, Austauschservice, MDM-nahe Mobile-Prozesse | Bündelung von Hardware, Tarifen, MDM und ServiceNow-Prozessen | Schnelle Geräteverfügbarkeit ohne langen Vertrag | Finanzierung, Restwert, Compliance, ESG, globale Prozesse |
| Kritischer Punkt | Weniger passend für globale Legacy-Großstrukturen | Laptop- und Zubehörmanagement nicht Kern-DNA | Lock-in durch Kopplung von Hardware und Verträgen | Kaum echtes IT-Operations- oder Lifecycle-Management | Schwergewichtig, langsamer, klassischer Leasingansatz |
1. Lendis: Prozessautomatisierung für die Workplace-IT
Lendis versteht sich nicht als reiner Hardware-Finanzierer, sondern als softwaregetriebener Lifecycle-Management-Partner. Themen rund um Beschaffung & Verwaltung lassen sich digital über die eigene Plattform LendisOS orchestrieren.
Mit seiner Lösung richtet sich Lendis an IT-Teams, die sich systematisch von operativen und administrativen Aufgaben rund um das Workplace-Equipment befreien wollen. Das Modell deckt die Miete von Laptops über Smartphones bis hin zu Peripherie und somit den gesamten Workplace ab.
Dabei richtet man sich vor allem an Unternehmen des Mittelstands. (ca. 50 bis 500 Arbeitsplätze), bei denen der manuelle Verwaltungsaufwand skaliert, aber keine Enterprise-Leasing-Abteilung bereitsteht.
Stärken
- Finanzierung: Bei der Finanzierung setzt Lendis auf namhafte Partner (Grenke, ALSO, etc.). Durch die Kooperationen können günstige Konditionen deutlich unter Marktdurchschnitt für unterschiedlichste Szenarien angeboten werden. Das spiegelt sich in hohen Zusagequoten wider.
- Prozess-Integration: Das Leistungsangebot bildet den vollständigen Asset-Lifecycles ab, ob automatisiertes Onboarding via Zero-Touch-Deployment bis DSGVO-konformes Device-Offboarding.
- Service-Qualität: Lendis hebt seinen exzellenten Service während des Geräte-Lifecycles hervor. Dazu gehören schnelle Erreichbarkeit des persönlichen Ansprechpartner oder der 24h-Support bei Defekten.
- Transparenz: Das LendisOS liefert valide Livedaten über Gerätestatus, Zuordnung und anstehende Leasingenden.
Einschränkungen
- Managed-Services: Tiefere IT-Services wie Endpoint-Monitoring, Security Operations oder laufende Administration der Client-Umgebung stehen nicht im Fokus. Für solche Managed Services eignen sich klassischen IT-Dienstleistern oder spezialisierte MSPs besser.
2. Everphone: Fokus auf Mobile Device Lifecycle
Everphone hat seine Wurzeln im Segment Smartphones und Tablets und legt seinen Fokus auf Themen im Bereich Mobile-Device-Management (MDM).
Everphone adressiert mit seiner Lösung Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern, die einen hohe Mobilisierungsgrad und Standardisierungsbedarf bei iOS- und Android-Clients haben. Das Modell greift für Kunden, die große IT-Flotten verwalten und der interne Support durch Displaybrüche, Akkutausche und SIM-Karten-Logistik blockiert wird.
Stärken
- Support-Entlastung: Der 24h-Direktaustausch erfolgt am internen Helpdesk vorbei direkt mit dem Endanwender.
- MDM-Fokus: Tiefe Integration in gängige MDM/UEM-Systeme zur Durchsetzung von Compliance- und Sicherheitsrichtlinien.
- Nachhaltigkeit: Integrierter Refurbishment-Prozess für Altgeräte (wichtig für ESG-Audits).
- CYOD: Everphone unterstützt CYOD-Modelle inklusive Mitarbeiterzuzahlung.
Einschränkungen
- Fokussierung: Everphone bleibt ein Spezialist für das Thema Phone as a Service. Die Ausstattung mit Laptops und Workstations läuft eher am Rand mit.
- Komplexität: Das auf Konzernstrukturen ausgerichteten Angebot macht die Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen oft zu mächtig und langsam.
3. TKD Solutions: Die Telco-zentrierte Variante
TKD Solutions verknüpft Hardware-Lifecycle mit klassischem Mobilfunk- und Fleet-Management. Typische Kunden gehören dem Mittelstand an, mit Fokus auf Außendienst, Logistik oder mobilen Arbeitsplätzen, die Tarif- und Hardwarekosten konsolidieren wollen. Dabei richtet sich TKD auch mittelgroße Unternehmen ab ca. 250 Mitarbeitern.
Besonders interessant wird die TKD-Lösung, wenn die IT-Infrastrukturen mobile Endgeräte, Mobilfunkverträge und SIM-Karten (eSIM) zwingend als logische Einheit betrachten und verwalten wollen. Ein technischer Pluspunkt ist die Möglichkeit zur Integration in bestehende IT-Service-Management-Systeme (ITSM).
Stärken
- All-in-One-Mobilfunk: Als Experte für den Telekommunikationsbereich ermöglicht TKD die Verwaltung von Tarifen und Endgeräten über eine einzige Schnittstelle.
- ITSM-Anbindung: Native Schnittstellen zu Systemen wie ServiceNow erlauben es, Lifecycle-Prozesse in bestehende IT-Workflows einzubetten.
Einschränkungen
- Lock-In: Die Nutzung des Gesamtpakets erhöht das Risiko eines Vendor-Lock-ins. Ein späterer Wechsel des Mobilfunkanbieters oder der Finanzierungslogik ist häufig mit Hürden verbunden.
- Dimensionierung: Für reine Notebook-Flotten ohne Mobilfunkanbindung kann das System überdimensioniert sein.
4. Grover Business: Flexible Hardware-Miete ohne IT-Tiefe
Gestartet im Consumer-Segment, überträgt Grover Business sein Konzept der flexiblen Tech-Miete auf den B2B-Sektor. Im Zentrum steht die schnelle Verfügbarkeit von Hardware bei maximaler Flexibilität der Laufzeiten im Vordergrund. Der Bestellprozess ist extrem schlank, bietet jedoch kaum Schnittstellen in die bestehende IT-Infrastruktur.
Entsprechend gehören vor allem Start-ups, Projektteams, Agenturen oder Unternehmen mit stark schwankendem, kurzfristigem Hardware-Bedarf (z. B. für Freelancer oder Testumgebungen) zum Kundenprofil.
Stärken
- Skalierbarkeit: Extrem kurze Mindestlaufzeiten erlauben schnelles Hoch- und Herunterskalieren der Flotte.
- Geringe Barrieren: Schnelles Device-Onboarding ohne langwierige Bonitätsprüfungen oder Enterprise-Leasingverträge.
Einschränkungen
- Leistungsumfang: Grover löst das Beschaffungsproblem, aber nicht die IT-Operations. Es fehlen native Features für automatisiertes Deployment (Zero-Touch), MDM-Orchestrierung und revisionssichere Nachweise zur Datenlöschung.
- Wirtschaftlichkeit: Bei langfristiger Nutzung großer Flotten ist das Modell wirtschaftlich meist nicht darstellbar (hohe TCO).
- Servicequalität: Der Service spielt aufgrund der Fokussierung auf das Hardware-Thema eine untergeordnete Rollen. Schwere Erreichbarkeit und längere Bearbeitungsdauer müssen eingeplant werden.
5. CHG Meridian: Enterprise-Asset-Finance für komplexe Landschaften
CHG Meridian gehört zu den Schwergewichten im Bereich Technologie-Leasing, IT-Hardware-Finanzierung und internationales Asset-Management.
Der Anbieter setzt dort an, wo die IT-Landschaft weit über Workplace-Clients hinausgeht. CHG verwaltet und finanziert heterogene Großflotten: von Rechenzentrums-Infrastruktur über Industrie-PC (OT) bis hin zu medizinischem Equipment.
Gehobener Mittelstand, Konzerne und öffentliche Auftraggeber mit internationaler Präsenz und strengen Compliance-Vorgaben bilden die Zielgruppe für die As-a-Service-Lösungen von CHG
Stärken
- Compliance & Audit: Der Fokus auf Großkonzerne spiegelt sich in der Kompetenz bei zertifizierter Datenlöschung nach internationalen Standards (z. B. BSI) inklusive lückenloser Nachweiskette wider. Hinzu kommen ausgewiesene Stärken bei Themen wie ESG- und Restwert-Reporting.
- Globale Skalierung: CHG Meridian ist darauf ausgelegt, Asset-Flotten über mehrere Länder, Gesellschaften und Standorte hinweg zu steuern. Das ist besonders relevant, wenn unterschiedliche Steuer-, Vertrags- und Compliance-Anforderungen zentral abgebildet werden müssen.
Einschränkungen
- Prozessgeschwindigkeit: Die Enterprise-Prozesse sind starr. Für agile IT-Abteilungen im Mittelstand, die eine schnelle, softwaregetriebene Lösung für das tägliche On-/Offboarding suchen, ist CHG Meridian oft zu schwerfällig im Vertragshandling und bietet im Standard keine leichtgewichtige Operations-Software für den Sysadmin.
- Vertragsstrukturen: Bei CHG Meridian stehen häufig langfristige, eher starre Vertragsstrukturen im Vordergrund. Das passt zu planbaren Enterprise-Flotten, kann für IT-Teams mit kurzfristigen Änderungen, schnellen Onboardings oder dynamisch wechselnden Gerätemengen aber schwerfälliger sein.
Fazit: Welcher Ansatz löst Dein Betriebsproblem?
Der passende DaaS-Anbieter definiert sich nicht über den Mietpreis pro Client, sondern über den Fit zu den eigenen IT-Prozessen und zu lösenden Problemstellungen:
Lendis ist der beste DaaS-Anbieter für den klassischen Mittelstand (50–500 Mitarbeiter), um den gesamten Client-Lifecycle (Notebook + Mobile) softwaregestützt zu automatisieren und die interne IT operativ vom Ticket-Load zu befreien.
Everphone eignet sich vor allem für große Smartphone-Flotten. Sie liefern das effizienteste Out-of-the-Box-System für die isolierte Betreuung von Geräteflotten ab 1.000 Geräten.
Wenn sowohl Hardware als auch Mobilfunktarife tief im ITSM (z. B. ServiceNow) konsolidiert werden müssen, greift die auf Telekommunikation spezialisierte Lösung von TKD.
Als Lösung, die kaum über die reine Hardware hinausgeht, kann Grover Business als Puffer für temporäre Projekte und Freelancer ohne tiefen IT-Integrationsanspruch punkten.
CHG Meridian bleibt die Bank für internationale Großunternehmen, die komplexe Asset-Finanzierungen und strenge Compliance-Audits über alle Hardware-Klassen hinweg abbilden müssen.
Lendis unterstützt IT-Teams dabei, manuelle Geräteprozesse zu reduzieren — von der Beschaffung über Deployment und Asset-Transparenz bis zur Rückholung und Datenlöschung.