Wissen Sie eigentlich, wieviel Platz Ihnen zusteht?

In manchen Filmen, in denen das große Bürogebäude als Ort des Geschehens eine Rolle spielt, wird mit dem Klischee der unterschiedlichen Arbeitsplätze gespielt: Das Chefbüro ist großzügig und geräumig und auch seine Sekretärin sitzt repräsentativ in einem vorangestellten Arbeitsbereich, der viel Bewegungsfreiheit bietet.

office-meetingraum-raumabmessungen-lendis.jpg

Der Mitarbeiterstatus im Team ist anhand von Arbeitsplatzräumlichkeiten ersichtlich bis hin zum unbeliebten Sachbearbeiter, dessen Schreibtisch kurzerhand im Aktenarchiv zwischen Kartons und Stauraumschränken platziert wird. Das Bild vom Kollegen im dunklen Kellerbüro zwischen den Aktenschränken sollte heute glücklicherweise der Vergangenheit angehören. Der Arbeitsschutz würde eine solche Arbeitsplatzzuteilung sogar verbieten. 

Wenn sich Kollegen bei der Arbeit aneinander vorbeiquetschen müssen oder der Schreibtisch kaum Platz für die benötigten Utensilien bietet, ist das Ergebnis der täglichen Leistung meist nicht nur zeitaufwendig und uneffizient, sondern für die Mitarbeiter frustrierend. Enge Räume ohne ausreichende Bewegungsfreiheit bergen jedoch nicht nur für die Arbeitseffizienz Probleme, sondern erhöhen das Unfallrisiko, beispielsweise durch unnötige Stolperfallen, Behinderungen im Bewegungsablauf und nicht zuletzt die Arbeitsatmosphäre, die sich als psychische Belastung auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirkt. 

 
open-office-raumabmessungen-lendis.jpg

Warum gibt es Verordnungen zur Raumabmessung und Bewegungsflächen?

Um Problemen durch Unordnung als Unfallrisiko und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit entgegenzuwirken, fordert der Arbeitsschutz feste Vorgaben in Raumabmessung und Bewegungsflächen. Ausgehend von den täglichen Bürotätigkeiten wurden in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“ die passenden Richtwerte für die Bürofläche pro Mitarbeiter festgelegt. 

Halten sich Unternehmen an diese Vorgaben, sind die Grundlagen der Arbeitsstättenverordnung bis auf individuell zu prüfende Ausnahmen und Besonderheiten erfüllt. Doch auch individuelle Aspekte lassen sich anhand der Hinweise aus der Arbeitsstättenverordnung meist schnell und unkompliziert ableiten und die Räumlichkeit durch ausreichende Bewegungsflächen regelkonform gestalten.

 

Jede Fläche im Raum wird entweder als Arbeitsfläche oder als Bewegungsfläche in die Berechnungen einbezogen

 
 
platz_pro_mitarbeiter_raumabmessungen_Lendis.jpg

Wie viel Platz steht einem Mitarbeiter zu?

Die Bemessungen nach der ASR A1.2 wurden auf der Basis von Erfahrungswerten und theoretischen Aspekten berechnet, um zu ermitteln, wie viel Platz ein Mitarbeiter benötigt. Dabei geht es nicht allein um die Bewegungsfreiheit während der Tätigkeit, sondern auch um weiterführende Aspekte wie das Erreichen des Arbeitsplatzes, die Bewegung vom Schreibtisch zu Fenster und Heizung sowie die Ergonomie. Ebenfalls einbezogen sind faktische Voraussetzungen von der Stellfläche für Arbeitsmaterialien, Schränken und Schubfächern, die Betätigung beim Öffnen und Schließen von Fenstern und Türen sowie weitere, tätigkeitstypische Bewegungsabläufe. 

Entsprechend ergibt sich nach dem Arbeitsschutzgesetz ein Richtwert von 8 bis 10 qm für den Arbeitsplatzbedarf im Einzelbüro sowie bei Räumen mit bis zu 50 qm Fläche eine Raumhöhe von rund 2,50 m. Großraumbüros sollten entsprechend die Interaktion zwischen den Mitarbeitern berücksichtigen, weshalb hierbei rund 12 bis 15 qm pro Mitarbeiter sowie eine Raumhöhe von 3 m bei einer Fläche von mehr als 100 qm erforderlich werden. 

Am einzelnen Bildschirmarbeitsplatz sind Flächen von wenigstens 1,00 x 1,50 m je Mitarbeiter zu berücksichtigen, die als Schreibtisch und Arbeitsfläche zur Verfügung stehen. Diese dürfen sich nicht mit den Bewegungsbereichen, beispielsweise den Wegen zwischen einzelnen Arbeitsplätzen, überlappen. Jede Fläche im Raum wird entweder als Arbeitsfläche oder als Bewegungsfläche in die Berechnungen einbezogen.

Auch für die Wege ist entsprechend eine Richtlinie einzuhalten. Diese sollten sich zugleich an den Vorgaben für Fluchtwege orientieren: Ein Durchgangsweg, der im Notfall zugleich als Fluchtweg für bis zu 5 Menschen angedacht ist, muss mindestens 0,875 m breit sein. Handlungswege wie der Gang zum Heizkörper, zu Fenstern oder Arbeitsmitteln (Drucker, Fax etc.) müssen hingegen mindestens 50 cm breit sein.

 
 

Wohlfühlen und Sicherheit stilvoll verbinden

Mit der Einhaltung der Vorschriften sorgen Sie für die nötige Arbeitssicherheit im Büro und bieten eine gute Grundlage für das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Mitarbeiter, die sich an Ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, sind seltener krank und erfüllen ihre Aufgaben in der Regel effizienter und zielgerichteter.

Die freundliche Ausgestaltung der Räumlichkeiten unterstützt psychologisch die positive Arbeitsatmosphäre, die sich durch individuellen Gestaltungsfreiraum mit privaten Arbeitsbereichen durch Stellwände, Flächen zur persönlichen Dekoration und ansprechenden Farbkonzepten unterstützen lassen. Auch Grünpflanzen, ergonomisches, aufeinander abgestimmtes Mobiliar sowie Stauraumflächen durch geräumige, gut erreichbare Schränke und Aktencontainer bieten bei der Optimierung der Atmosphäre im Büro vielfältige Möglichkeiten.

 

Alle Richtlinien auf einem Blick

  • Im Einzelbüro gilt ein Richtwert von 8–10 m² pro Mitarbeiter

  • Bei Räumen mit bis zu 50 qm gilt eine Raumhöhe von rund 2,5 m

  • Im Großraumbüro gilt ein Richtwert von 12–15 m² pro Mitarbeiter

  • Bei Räumen mit einer Fläche von bis zu 100 m² ist eine Deckenhöhe von 3 m erforderlich

  • Der einzelne Bildschirmarbeitsplatz (Schreibtisch & Arbeitsfläche) erfordert eine Mindestfläche von 1,0 x 1,5 m