Orangery – wie ein WeWork abseits der Großstadt

„Orange is the new way of black“

Sie haben eine geniale Idee, vielleicht sogar einen richtig guten Plan und stehen womöglich kurz vor der Gründung Ihres eigenen Unternehmens. Es gibt nur ein klitzekleines „Problem“: Sie wohnen in einer ländlichen Region, hunderte Kilometer entfernt von den pulsierenden Großstädten Deutschlands, in denen die Start-up-Szene blüht. Wo finden Sie trotzdem einen Raum, in dem Sie ihre Pläne realisieren, sich mit anderen GründerInnen austauschen können und von Mentoren und einem guten Netzwerk profitieren?

Das Ökosystem der Orangery in Hildesheim macht’s möglich.
Lendis hat die Orangery mit passenden Büromöbeln ausgestattet. Wir haben mit Co-Founder Sebastian Groenen über die bisher größten Herausforderungen des Start-ups gesprochen.

 

Am Anfang steht immer eine Idee.
Was ist die Gründungsgeschichte hinter der Orangery?

Sebastian: Es begann damit, dass mein Bruder Dominik, Founder der Orangery, aus familiären Gründen nach Hildesheim gezogen ist. Vorher hat er lange in Berlin gewohnt und ist dort in die Start-up-Szene eingetaucht. Doch im Vergleich zu den Großstädten gibt es in den ländlichen Regionen keine geeignete Infrastruktur für Start-ups. Es fehlen einfach Ökosysteme, die Visionäre und GründerInnen bei der Umsetzung ihrer Pläne unterstützen.

Aus einer Idee wird nach und nach ein physikalischer Raum – was waren für Euch die größten Herausforderungen während des Aufbaus der Orangery?

Sebastian: Es war eine der größten Herausforderungen eine Immobilie mit Perspektive zu finden. Also einen Ort mit genügend Fläche, falls wir uns in Zukunft erweitern wollen. Wir haben die alten Räumlichkeiten der Autobahnpolizei angemietet und sie von Grund auf umgebaut. Jetzt ist die Orangery auf zwei Etagen mit insgesamt 800m² Fläche vertreten und bietet bislang 60 Arbeitsplätze an. Eine weitere Herausforderung war das Finden der richtigen Leute, also solche, die sich für die Thematik begeistern. Wir haben mit der Stadt, dem Bürgermeister, Wirtschaftsförderungen und anderen Multiplikatoren gesprochen, um unsere Idee voranzutreiben.

Der größte Vorteil ist jedoch, dass wir uns um nichts kümmern mussten
— Sebastian, Co-Founder Orangery

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie konnten wir Euch mit Lendis’ Mietservice konkret unterstützen?

Sebastian: Wir hatten schon eine Vorstellung davon, wie die 2. Etage der Orangery aussehen soll. Doch ihr habt uns dabei geholfen, ein grobes Raumkonzept für die unterschiedlichen Arbeitsplätze zu erstellen. Der größte Vorteil ist jedoch, dass wir uns um Nichts kümmern mussten. Das war im Vergleich zur oberen Etage, in der wir noch bis Nachts Stühle und Schreibtische aufgebaut haben, eine große Erleichterung. Ihr habt euch nicht nur um die Lieferung und den Aufbau, sondern auch um die Entsorgung der Verpackungsmaterialien gekümmert. Jetzt sind wir absolut flexibel, können einfach Arbeitsplätze dazu mieten und müssen nicht darüber nachdenken, wo wir die Möbel herbekommen – gerade im Hinblick auf die anstehende Expansion in weitere Städte. So sparen wir Zeit und können uns auf alles andere konzentrieren.

Wie wurden die Räumlichkeiten unterteilt und warum? Was ist Euer Raumkonzept und was hat Euch maßgeblich beeinflusst?

Sebastian: Wir haben uns vorher sehr viele Spaces angeschaut. Pinterest war mein bester Freund. Dominik war in den letzten Jahren in vielen Start-up Hotspots unterwegs und konnte unter anderem in Tel Aviv, London, Miami und New York zahlreiche inspirierende Eindrücke gewinnen. So haben wir mit Elementen aus Bambus, Holz und vielen Pflanzen ein sehr natürliches Ambiente geschaffen. Wir hatten eine grobe Vorstellung, wie der Coworking Space aussehen sollte, haben uns Inspiration geholt und es dann einfach umgesetzt.

Das Raumkonzept ist absichtlich offen gestaltet, wie es auch in anderen Spaces vorhanden ist. Die Immobilie hat zwar ein paar Nachteile, da wir nicht alle Wände entfernen konnten, aber dafür gibt es private Offices, sowie offene und abgeschlossene Meetingräume. Dadurch entsteht ein Gleichgewicht zwischen Austausch im Open Space und ruhiger Arbeit in den private Offices.

Und der Einsatz von Pflanzen ist nicht nur gut fürs Raumklima. Zusammen mit Raumteilern sorgen sie für den nötigen Schallschutz im Open Space.


„Orange is the new way of black“ lautet Euer Leitspruch.
Was ist die Idee dahinter?

Sebastian: Man muss nicht immer nur Schwarz tragen, um cool auszusehen oder in einer angesagten Stadt wie Berlin, Tel Aviv oder New York wohnen, um ein erfolgreiches Start-up zu gründen. Es ist Zeit umzudenken und eine vollständige Infrastruktur aufbauen, die es abseits von WeWork und Großstadt gibt. Es gibt so wenig Anlaufpunkte auf dem Land, doch Menschen mit guten Ideen gibt es überall. Wir schaffen einen Raum dafür.

Die Orangery ist ein Ökosystem für Start-ups. Was ist Eure Vorstellung von einem gelungenen Ökosystem? Welche Möglichkeiten haben die Start-ups in Eurem Space?

Sebastian: Ein gelungenes Ökosystem vernetzt die richtigen Menschen miteinander. Wenn ein Start-up zu uns kommt, versuchen wir diese mit potenziellen Investoren oder strategischen Partnern zusammenzubringen. René, der Gründer von Shower+ etwa, kam vor ein paar Monaten zu uns. Er arbeitet an einer Aromatherapie für die Dusche, die besonders Menschen mit Neurodermitis helfen soll. Wir hatten Besuch vom Team des Sony Innovation Fund, die wiederum den Kontakt zu Grohe, dem Hersteller für Armaturen und Sanitärprodukten, hergestellt haben.

Wenn Start-ups und zukünftige GründerInnen zu uns kommen, unterstützen wir sie in jedem Schritt. Wir fordern ihre Ideen heraus, überlegen gemeinsam, ob ihr Geschäftsmodell Sinn macht, schauen uns ihren Business Case und ihre Teamstruktur an.

Außerdem arbeiten wir mit Mentoren wie Martin Kind, Alfons Schubeck oder Prof. Dr. Christoph Kolbeck von der HAWK in Hildesheim zusammen, die den GründerInnen mit Rat und Expertise zur Seite stehen.

Kommen die Start-ups auf euch zu? Wie wird man Teil der Orangery?

Sebastian: Am Anfang sind viele Anfragen über persönliche Kontakte gekommen. Dominik hat sich einen Namen in der Start-up-Szene gemacht und dadurch sind viele Menschen mit spannenden Ideen auf uns zugekommen. Vor ein paar Wochen hatten wir eine offizielle Bewerbungsphase, in der sich Start-ups deutschlandweit bei uns bewerben konnten.

Uns ist wichtig, dass das Start-up ein Problem löst. Das Team muss passen und natürlich machen uns digitale und innovative Geschäftsmodelle Spaß. Doch wir haben uns nicht auf bestimmte Start-ups spezialisiert. Der Schokoglückskeks von Happy oder die Aromadusche von Shower+ sind tolle Ideen, die wir gerne unterstützen.

Die Orangery bietet also Support, Arbeitsplatz, Zusammenhalt und Inspiration. Was ist Eure Vision für die Zukunft?

Sebastian: Wir wollen deutschlandweit vollständige Ökosysteme in ländlichen Regionen aufbauen, so wie wir es auch in Hildesheim gemacht haben. Hameln und Braunschweig sind die nächsten Standorte, darauf folgen Oldenburg, Bremen und viele mehr. Unser Ziel ist es in den nächsten 5 Jahren 50 Orangery Labs aufzubauen.

Mein Bruder ist gerade in den USA, um zu schauen, ob es dort nicht genauso Regionen gibt, in denen wir so etwas aufbauen können wie in Hildesheim.

Außerdem wollen wir eine Data-Company werden, um zukünftige Standorte besser einschätzen zu können. Wir haben gemeinsam mit unserem Co-Founder und Chief Technology Officer Jakob Klement eine App entwickelt, die uns hilft, die Auslastung im Orangery Lab zu analysieren. Wie viel Kaffee wird getrunken? Wie viel Strom wird verbraucht? Wie viele Menschen arbeiten an welchen Wochentagen in unseren Räumlichkeiten? Diese Daten unterstützen uns zukünftig dabei die Anforderungen unserer Coworker und Start-ups besser zu verstehen. Es bleibt auf jeden Fall spannend. 

Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian.